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„Unter epistemischer Gewalt verstehe ich jenen Beitrag zu gewaltförmigen gesellschaftlichen Verhältnissen, der im Wissen selbst, in seiner Genese, Ausformung, Organisation und Wirkmächtigkeit angelegt ist. […] Epistemische Gewalt ist tief in unser Wissen eingelagert, ebenso wie in die Wege, auf denen wir zu diesem Wissen kommen.“

Claudia Brunner 2015

 

„Epistemische Gewalt habe ich somit als eine zwanghafte Delegitimierung, Sanktionierung und Verdrängung (Negativierung) bestimmter Erkenntnismöglichkeiten und die tendenzielle und versuchte Durchsetzung (Positivierung) anderer Erkenntnismöglichkeiten definiert.“

Sebastian Garbe 2013

 

„Epistemische Gewalt, also Gewalt, die gegen oder durch Wissen ausgeübt wird, ist vermutlich eines der Schlüsselelemente für jede Form von Herrschaft. Diese wird nicht nur durch die Errichtung ausbeuterischer wirtschaftlicher Verbindungen oder die Kontrolle politisch-militärischer Apparate erlangt, sondern insbesondere auch durch die Konstruktion epistemischer Rahmungen die diese Herrschaftspraktiken rechtfertigen und verfestigen.“

Enrique Galván-Álvarez 2010

 

„Natürlich würde das fragliche Phänomen normalerweise nicht als Gewalt gedacht: dazu ist es zu angesehen, zu akademisch, zu vornehm. Nichtsdestotrotz handelt es sich dabei um Gewalt, und diese verdient als das gesehen zu werden, was sie ist.“

Andrew Norman 1999

 

„Das klarste Beispiel für eine solche epistemische Gewalt ist das aus der Distanz orchestrierte, weitläufige und heterogene Projekt, das koloniale Subjekt als Anderes zu konstituieren. Dieses Projekt bedeutet auch die asymmetrische Auslöschung der Spuren dieses Anderen in seiner prekären Subjekt-ivität bzw. Unterworfenheit. Bekanntlich siedelte Foucault epistemische Gewalt, eine komplette Überarbeitung der Episteme, in der Neudefinition von geistiger Gesundheit an, die am Ende des europäischen 18. Jahrhunderts vollzogen wird. Aber was wenn diese partielle Neudefinition nur ein Teil des Narrativs der Geschichte in Europa wie auch in den Kolonien wäre? Was wenn die beiden Projekte einer epistemischen Überarbeitung als dislozierte und uneingestandene Teile einer immensen zweiarmigen Maschine […] gearbeitet hätten?”

Gayatri Chakravorty Spivak 1988